Gewalt im öffentlichen Raum: Wie verhalte ich mich richtig?

Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die Angst, Opfer einer Gewalttat zu werden, deutlich größer ist, als die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich in eine solche Situation zu kommen. Dennoch haben viele Menschen Angst davor, Opfer einer Gewaltstraftat im öffentlichen Raum (Bus, Bahn, Parkhaus, Disco, nächtlicher Heimweg usw.) zu werden. Kommt es tatsächlich soweit, ist die Chance, mit einem „blauen Auge“ davonzukommen erheblich größer, wenn man sich schon vorher gedanklich mit solchen Situationen auseinandergesetzt hat.

Eine Konfrontation zeichnet sich meist einige Zeit vorher ab. Distanz halten ist deshalb wichtig. Distanz bedeutet Sicherheit, nicht Angst oder Feigheit. Wichtig ist es, auf die eigene Intuition und eigene Gefühle zu vertrauen. Viele Opfer sagen später, dass sie gespürt hätten, dass etwas nicht stimmt. Diesen Signalen sollten Sie vertrauen und sich rechtzeitig zurückziehen. Örtlichkeiten und Menschen in deren Umgebung Sie sich unsicher fühlen, sollten Sie unbedingt meiden.
Kein Gewalttäter greift blindlings an. Er braucht die Wahrnehmung seines Opfers. Er muss Kontakt herstellen. Das kann ein Blickkontakt oder eine verbale Provokation sein. Gehen Sie nicht darauf ein! Wenn Sie sich von einer Person bedroht fühlen, behalten Sie die Person im Blickfeld, aber schauen Sie nicht in die Augen, sprechen Sie die Person nicht an und vermeiden Sie direkte Berührungen. Ein aufrechter Gang, ein gerader Blick und ein erhobenes Haupt, schrecken so manchen Gewalttäter ab. Wenn möglich die 110 (Polizeinotruf) anrufen und die bedrohlich wirkende Situation verlassen. Gewalttäter suchen sich in der Regel Opfer und keine Gegner. Deshalb achten Sie auf eine selbstbewusste Körperhaltung.

Ist fluchtartiges Davonrennen oder Schreien eine Lösung? Auf jeden Fall! Das überrascht den Aggressor und verschafft ein paar Sekunden Vorsprung. Eine Flucht wirkt auf einen Angreifer lähmend. Tun Sie das Unerwartete. Ebenso dient der laute Schrei eher der Verunsicherung und Vertreibung des Angreifers. Befreiungs- und Kampftechniken aus dem Kampfsport sind für Laien nicht zu empfehlen. Es darf gar nicht erst zu einer körperlichen Konfrontation kommen!
Ist es sinnvoll einen Elektroschocker oder ein Pfefferspray mitzuführen? Grundsätzlich nein. Gewalttäter sind in der Regel körperlich überlegen und es hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass solche „Verteidigungs- oder Selbstschutzwaffen“ meistens gegen das Opfer selbst eingesetzt wurden.

Darf man sich wehren?
Selbstverständlich darf man sich wehren, um eine Attacke abzuwehren und das eigene oder das Leben einer anderen Person zu schützen.
 

Ich bin Zeuge einer Gewalttat

Wie verhalte ich mich richtig? Was kommt auf mich zu?

Je mehr Menschen Augenzeugen eines tätlichen Angriffs sind, desto weniger helfen. Aber wir alle sind gesetzlich zur Hilfe verpflichtet! Wer wegsieht, abwartet und sich auf andere verlässt, hilft dem Täter! Wer handelt, zeigt Zivilcourage:

•    Ich helfe, ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.
•    Ich fordere andere aktiv und direkt zur Mithilfe auf.
•    Ich beobachte genau und präge mir Täter-Merkmale ein.
•    Ich organisiere Hilfe (Notruf 110).
•    Ich kümmere mich um Opfer.
•    Ich stelle mich als Zeuge zur Verfügung.

Wer eine Straftat beobachtet oder sogar direkt oder indirekt an einer Straftat beteiligt ist, kann als Zeuge einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung der Straftat leisten. Viele Menschen haben Angst, als Zeuge mit den Tätern konfrontiert zu werden oder sie scheuen den damit verbunden Aufwand. Zeigen Sie Zivilcopurage und stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung. Die Opfer sind auf die Hilfe von Zeugen angewiesen. Nicht zuletzt können mit Hilfe von Zeugenaussagen weitere Straftaten verhindert werden. Zeugenkontaktstellen bei Gericht informieren Zeugen über ihre Rechte und Pflichten. Zeugen leisten einen wichtigen Beitrag zur Klärung offener Fragen vor Gericht. Sie kommen damit einer bedeutsamen staatsbürgerlichen Pflicht nach. 

Ich erstatte eine Anzeige – Was kommt auf mich zu?

Wenn Sie eine Anzeige erstatten, werden Sie von der Polizei zu dem angezeigten Sachverhalt als Zeuge vernommen. Sie werden auch dazu befragt, ob Sie Beweismittel zur Verfügung stellen können, zum Beispiel Chatausdrucke, Schriftstücke, Bilder, ein ärztliches Attest zum Nachweis von erlittenen Verletzungen, Benennung anderer Augenzeugen usw. Wenn Sie selbst Opfer einer Gewalttat geworden sind, kann es erforderlich sein, dass Sie ihren behandelnden Arzt von der Schweigepflicht entbinden, damit er mit der Polizei sprechen kann. Sie müssen auch darüber entscheiden, ob Sie bei Delikten, die einen Strafantrag des Geschädigten voraussetzen, einen solchen Strafantrag stellen wollen. Bei Geschädigten unter 18 Jahren können die Erziehungsberechtigten bei der Vernehmung anwesend sein und über die Stellung eines Strafantrages entscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen einer Anzeige und einem Strafantrag?
Mit dem Begriff "Strafanzeige" ist die bloße Mitteilung eines Sachverhalts an die Strafverfol-gungsbehörden gemeint. Die Behörden sollen dadurch Kenntnis von Delikten erlangen, um diese dann auch verfolgen zu können. Jeder Bürger kann eine solche Strafanzeige einreichen, wenn er davon überzeugt ist, dass eine Straftat vorliegt. Handelt es sich dabei um ein sogenanntes „Offizial¬delikt“, beispielsweise Mord, Raub oder Betrug, wird die Staatsanwaltschaft sofort tätig. Anders ist das im Bereich der Bagatellkriminalität (Sachbeschädigung, Diebstahl, Hausfriedensbruch uvm.). Hier muss ein Strafantrag gestellt werden, damit die Staatsanwaltschaft tätig werden kann. Sollte es zu einer Anklage und schließlich einer Hauptverhandlung vor Gericht kommen, müssen Sie vor Gericht aussagen. Soweit Sie hierdurch einen Verdienstausfall erleiden oder Fahrtkosten entstehen, werden diese Auslagen erstattet. Wenn Sie zugleich Geschädigter einer Straftat sind, können Sie ggf. auch als Nebenkläger bei Gericht auftreten.

Was passiert, wenn sich ein Verdacht nicht bestätigt?
Wenn keine ausreichenden Beweismittel vorliegen, wird das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Das hat für Sie keine Folgen. Sie erhalten einen Einstellungsbescheid, in dem die wesentlichen Gründe dieser Entscheidung aufgeführt sind.